Ulme – auffälliges Holz aus heimischen Gefilden für den Landhausstil

Die Ulme beziehungsweise Rüster ist ein sehr wertvolles Holz sowohl für hochwertige Möbel im Landhausstil als auch für die Raumgestaltung. Kaum ein anderes heimisches Laubgehölz wartet mit einer solchen Farbvielfalt und außergewöhnlichen Maserung auf wie die Ulme. Nicht zuletzt deswegen zählt die Ulme auch zu den schönsten heimischen Hölzern. Wer sich für ein Massivholzmöbel oder einen Bodenbelag aus Ulme entscheidet, wählt also ein eher selten verwendetes Holz, das mit seiner unverwechselbaren Ausstrahlung alle Blicke auf sich ziehen wird.

Ulme

Ulme oder Rüster?

Als Ulme wird gemeinhin der Baum bezeichnet, als Rüster das geschnittene Holz. Trotzdem werden beide Begriffe auch synonym verwendet und so findet sich Rüster genauso wie Ulme in den deutschen Artnamen wieder. Daneben wird die Ulme auch Ruster, Ruste, Rusten, Elm, Effe oder Urme genannt.

Ulme – ein Holz von Format

Ulmenholz, das in seinen Festigkeitseigenschaften mit Eiche und Buche vergleichbar, allerdings weder witterungsbeständig noch pilz- oder schädlingsresistent ist, wird schon seit Jahrhunderten wegen seiner Härte, hohen Beanspruchbarkeit, Scherfestigkeit, Zähheit und guten Biegbarkeit über Dampf in der Wagnerei, unter anderem für Räder und landwirtschaftliche Geräte, genutzt. Heute ist Rüsterholz zudem ein begehrtes Furnierholz für Möbel und Vertäfelungen, das mit seiner warmen Ausstrahlung ein behagliches Zuhause schafft und optimal im Landhausstil zur Geltung kommt. Daneben findet das schwere, druckfeste und vielseitige Holz der Ulme auch für Parkett, Wand- und Deckenverkleidungen, Werkzeuge, Gewehrschäfte, Musikinstrumente, Spielwaren, Ziergegenstände und Kunsthandwerk Verwendung.

Da alle Rüsterarten zum Reißen und Verziehen neigen, muss die Trocknung des schwer spaltbaren Ulmenholzes langsam erfolgen. Getrocknetes Ulmenholz besitzt aber dann eines der geringsten Schwindmaße überhaupt, was Möbel aus Rüster so standfest macht. Je nach Art und Wuchsbedingungen lässt sich Ulmenholz mäßig bis gut bearbeiten. Nach dem Sägen, Hobeln, Fräsen, Drechseln und Schleifen muss das langfaserige und damit raue Holz stets nachbehandelt werden. Dafür lässt sich Rüsterholz gut schnitzen, leimen, schrauben und nageln sowie sowohl lackieren als auch beizen und lasieren.

Ulme – Charakterholz mit dem gewissen Etwas

Aufgrund der spezifischen Wuchseigenschaften weist Ulmenholz eine ausgesprochen lebhafte Maserung mit typischen Wellenlinien und markanten Jahresringen auf, die der der Kirsche und Robinie ähnelt.

Von den annähernd 30 Ulmenarten, die ausschließlich auf der Nordhalbkugel vorkommen, sind drei in Europa heimisch. Hinzu kommen Hybriden verschiedener Ulmenarten, wie die Holländische Ulme (Ulmus x hollandica), eine Kreuzung aus Berg- und Feldulme, die ein sehr hochwertiges Holz liefert, das aber nur noch selten für Möbel- und Tischlerarbeiten zur Verfügung steht.

Das Splintholz der Ulmen ist weißlich-hellgelblich oder gelblichgrau bis hellgraubraun, nähert sich mit der Zeit aber der Kernholzfarbe an. Zwischen Splint- und Kernholz kann ein hellerer Farbstreifen, die Reifholzzone, auftreten, der für Kernreifholzbäume, wie die Ulme, charakteristisch ist. Aber auch das Kernholz aller Ulmenhölzer dunkelt unter Lichteinfluss nach.

Am bedeutendsten für Möbel aus Ulme ist die bis zu 30 Meter hohe und bis zu 400 Jahre alt werdende Feldulme (Ulmus minor), auch Rotrüster genannt. Die wärmebedürftige in nordafrikanischen, europäischen und asiatischen Auwäldern wachsende Feldrüster hat ein rötlich bis schokoladenbraunes Kernholz, das sehr häufig hellgraue, grüngelbe oder rötlich braune Farbnuancen zeigen kann.

Die Bergulme (Ulmus glabra), auch Bergrüster, wird als Möbel- und Bauholz geschätzt. Diese wärmeliebende Rüsterart ist in Westasien, Mittel- und Nordeuropa verbreitet und wächst hier in Edellaubwäldern in bis über 1.000 Meter Höhe. Auch die Bergulme wird bis zu 400 Jahre alt. Bergulmen sind im Vergleich zu Feldulmen heller, das Farbspektrum reicht von fleischrot bis hellbraun.

Die dritte heimische Ulmenart ist die seltene Flatterrüster oder Flatterulme (Ulmus laevis), die bis zu 35 Meter hoch und bis zu 250 Jahre alt wird. Typisch für die von Mitteleuropa bis Westasien vorkommende Flatterulme ist das hellgraubraune bis gelbbraune Kernholz.

Das weltweit wertvollste Ulmenholz für Möbel stammt von der nordostamerikanischen Felsenulme (Ulmus thomasii). Dieser bis zu 30 Meter hohe Baum ist stark überholzt und kommt heute nur noch selten als Holz und Ulmenmöbel in den Handel.

Ulmensterben

Der Ulmenbestand ist seit den 1920er-Jahren durch eine aus Asien eingeschleppte Pilzerkrankung stark gefährdet. Übertragen wird der Pilz (Ceratocystis ulmi) durch den Ulmensplintkäfer, ein brauner Borkenkäfer. Der Pilz blockiert den Wassertransport in den Leitbahnen, wodurch sich die Blätter verfärben und frühzeitig abfallen. Betroffene Bäume, vor allem Feld- und Bergulme bis 700 Meter Höhe, sterben je nach Alter innerhalb kurzer Zeit ab. Resistente Neuzüchtungen, chemische Behandlungen von frisch infizierten Ulmen und ein konsequenter Schlag befallener Bäume können trotz intensiver Bemühungen eine weitere Ausbreitung des Ulmensterbens nicht verhindern, was das Angebot an Massivholzmöbeln aus Ulme und Bodenbelägen aus Rüster begrenzt.

Massivmöbel aus Ulme pflegen

Unbehandelte und behandelte Möbel aus Ulmenholz stellen keine großen Ansprüche an die Pflege. So ist ein weiches, trockenes Tuch meist ausreichend. Gröbere Verschmutzungen lassen sich mit einem nebelfeuchten Tuch und bei Bedarf mit Kernseife entfernen, chemische Reiniger und Polituren hingegen sind ungeeignet. Als Massivholz ist Ulme empfindlich gegenüber Flüssigkeiten. Geölte oder gewachste Möbel aus Rüster sollten je nach Beanspruchung alle zwei bis drei Jahre nachbehandelt werden. Massivmöbel aus Ulmenholz, die regelmäßig mit Flüssigkeiten in Kontakt kommen können oder feucht abgewischt werden, wie Esstische oder Küchenmöbel, dagegen sollten zwei- bis dreimal pro Jahr nachgeölt oder nachgewachst werden.

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