Sammeln

Vom Sammeln, Sammlern und der Sammelleidenschaft

Sammelt nicht jeder von uns irgendetwas? Meist fängt es mit einem Ding an und ehe man sichs versieht, gesellen sich viele ähnliche Stücke zu einer Sammlung. Der Grund warum das so ist? Diese eine bestimmte Sache gefällt oder fasziniert einen so sehr, dass man mehr davon um sich haben und alles darüber wissen will – denn die Sammelleidenschaft ist entfacht.

Sammlerstücke

Der Ursprung der Sammelleidenschaft

Die Sammelleidenschaft ist tief in unseren Genen verankert. Denn als sich unsere frühen Vorfahren vor vielen tausend Jahren auf die tägliche Nahrungssuche begaben, stellten Jagen und Sammeln das Überleben der Gruppe und des Einzelnen sicher, so wie es noch heute bei einigen Naturvölkern der Fall ist. Es wurden essbare Pflanzen, Wurzeln und Früchte gesammelt und mit der Gruppe geteilt. Auch die späteren Bauern sammelten, da das geerntete Korn in Speichern eingelagert wurde und so einen Vorrat für den Winter darstellte. Wer viel davon hatte, war besonders angesehen. Diese Machtdemonstration machte sich der Adel zunutze und treibt auch heute noch so manchen Sammler an, Kunstschätze und andere Kostbarkeiten der Gegenwartskunst und/oder früherer Zeiten anzuhäufen, um dafür bewundert zu werden. Seit dem 18. Jahrhundert und mit den Neuerungen der industriellen Revolution wurde das Sammelinteresse vielfältiger und dehnte sich der Kreis der Sammler auch auf das Bürgertum aus. Vor allem aus den adligen Sammlungen haben sich viele öffentliche Museen entwickelt, die diese systematisch fortführen und so Kulturgüter vor dem Zerfall und für die Nachwelt bewahren.

Der Anreiz zum Sammeln

Der Jagd- und Sammeltrieb stellt ein wichtiges Motiv für verschiedene Handlungen, wie Besitzanhäufung, Darstellungsbedürfnis, Wissensdurst oder einfach die Liebe zu den schönen Dingen und der Freude am Sammeln, dar. Wobei jeder etwas anderes unter „den schönen Dingen“ versteht, was die Vielgestaltigkeit der Sammlungen erklärt, die von Pflanzenblättern, Zeitungsartikeln, Reklame über Briefmarken, Münzen, Bücher, Spielzeug, Blechdosen, Glas, Keramik, Porzellan, (Reise-)Andenken, Volkskunst bis hin zu Mode, Schmuck, Möbeln und Fahrzeugen reicht.

Es gibt also eigentlich nichts, was nicht gesammelt werden kann. Und das ist auch gut so, da so mit jeder Sammlung fundiertes Spezialwissen um die Sammelobjekte geschaffen wird. Denn es wird nicht lange dauern, dann wird der Sammler
– tiefer in die Materie eindringen,
– alles über Hersteller, Fertigung, die geschichtliche Entwicklung und andere Fakten erfahren,
– seine Sammlung vielleicht sogar in eine chronologische, wie nur alle historischen oder zukünftigen Erzeugnisse oder in beide zeitliche Richtungen und damit Vergangenheit und Zukunft verbindend oder in eine andere systematische Ordnung, wie nach Herkunft, Hersteller oder Gattung, bringen wollen und dafür ist nun einmal Wissen erforderlich.

Sammlungen werden immer von positiven Erinnerungen und Gefühlen angetrieben, erfüllen den Wunsch, vergangene oder zukünftige Zeiten zu erleben, sich mit seltenen oder originellen Dingen zu umgeben oder sein Leben anhand von materiellen Dingen festzuhalten.

Der unstete Sammler

Echte, eingefleischte Sammler sind leidenschaftlich und unermüdlich auf der Suche nach dem einen oder anderen noch fehlenden Stück. Wie viel Zeit sie damit verbringen, ist ihnen einerlei, denn das Sammeln ist des Sammlers ernsthaft betriebenes, entspannendes und zugleich ausfüllendes Hobby, in das er gern Zeit und Mühe investiert. Und jeder Sammler weiß, eine Sammlung entsteht erst mit der Zeit. Damit lehrt das Sammeln auch Geduld und Beharrlichkeit.

Eine Sammlung entsteht

Sammlungen sind so verschieden wie die Sammler selbst. Der eine sammelt alles Mögliche nach Farben, ein anderer nur eine bestimmte Form und ein Dritter querbeet und zwar ausschließlich das, was ihm gefällt. Egal, wie eine Sammlung aufgebaut und geführt wird, eine Sammlung ist stets etwas Individuelles. Je systematischer eine Sammlung aufgebaut wird, desto eher geht diese in die Tiefe und dient dazu, neue Erkenntnisse zu schaffen (wissenschaftliche Sammlung). Bei unsystematischen Sammlungen hingegen macht die Masse der Sammelobjekte den Reiz aus und füllt ganze Räume, ach was, das gesamte Haus. Dennoch wird jedes einzelne Sammelobjekt mit kritischem Auge ausgewählt, schließlich soll ein Reich zum Wohlfühlen ganz nach den eigenen Vorstellungen geschaffen und die Einrichtung so belebt werden.

Kannensammlung

Bei jeder Sammlung spürt man, mit welcher Begeisterung der Sammler dabei ist. Denn jedes einzelne Sammlerstück ist ein Lieblingsstück und ein wahrer Schatz, der immer wieder gern betrachtet und in die Hand genommen wird. Auch die Pflege der Sammlung gehört zum Sammeln, was aber nicht als Last empfunden wird, sondern im Gegenteil eine Gelegenheit ist, sich mit der eigenen Sammlung wieder zu beschäftigen und sich an die vielen damit verbundenen Geschichten zu erinnern.

Sammler auf der Jagd

Um an die begehrten Sammelobjekte zu gelangen, können unterschiedliche Wege beschritten werden. So sind Flohmärkte, Sammlertreffen, Messen, Auktionen, Gebrauchtwaren- und Antiquitätenhändler neben Inseraten von Gesuchen und Angeboten die gängigsten Möglichkeiten, um Sammelobjekte früherer Zeiten aufzuspüren. Für Neuwaren empfehlen sich spezialisierte Händler oder der direkte Kauf beim Hersteller. Dort finden sich die aktuellen Kollektionen und Serien verschiedener Hersteller und kann die Sammlung gezielt um fehlende oder neue Stücke ergänzt werden.

Limitierte Sammlerstücke, die in keiner Sammlung fehlen dürfen, sind ebenfalls am besten über den Fachhandel zu beziehen. Denn solche Raritäten vorweisen zu können, erfüllt den Sammler mit Stolz, da die Seltenheit die Sammlung aufwertet. Daher verwundert es auch nicht, dass man einem Sammler mit einem neuen und passenden Objekt für seine Sammlung das größte Geschenk machen kann.

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